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Depression aus Sicht der Astrologie: von Schütze bis Fische

Depression aus Sicht der Astrologie: von Schütze bis Fische
Wie erlebt das Sternzeichen Schütze „seine“ Depression, wie der Steinbock, der Wassermann, die Fische? In 12 Gesichterder Depression skizziert der Psychologe Claus Riemann eine erstaunliche Idee: Im Falle einer Depression, sagt der auch als Astrologe renommierte Therapeut, zeigt jedes Sternzeichen seine eigene, je individuelle Ausprägung.

Für eine glückliche Kindheit ist es nie zu spät

Claus Riemann ist Psychologe und Astrologe. In seinem Buch 12 Gesichter der Depression beschreibt er den Zusammenhang zwischen Formen der Depression und der Astrologie: Jede Depression, so seine Überzeugung, trägt in ihrem Wesen den Charakter des jeweiligen Tierkreiszeichens, in dem der Patient geboren ist. Und damit Ansätze für einen Ausweg aus der furchtbaren Krankheit.

Riemann orientiert sich bei seiner Analyse an einer sehr traditionellen Auffassung der Astrologie: der Abfolge von Gegenbewegungen. (Eine Beschreibung dieses Rhythmus lesen Sie in dem Beitrag Basisinformationen zu Astrologie.)

In diesem Beitrag erfahren Sie, was Riemann zu den Formen der Depression der Sternzeichen Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische schreibt.

Schütze

Wichtig ist nicht, woran ein Mensch glaubt, sondern dass er überhaupt einen Glauben habe (Viktor Frankl)

Hier sein und dort sein wollen, schreibt Claus Riemann im Kapitel über die Depression des Sternzeichens Schütze, ist die Wurzel aller Stressprogramme. Beim spirituellen Lehrer Osho liest sich das so:

Wenn du versuchst, vollkommen zu sein, bist du niemals im Hier und Jetzt. Solange du nicht erleuchtet bist, bist du unvollkommen, unterwegs zum hohen Ziel. Sei also total unvollkommen, begreife dich als Reisender, und mach dir um das Ankommen keine Sorgen.

Schütze ist ein mit Idealen befrachtetes Sternzeichen; im Symbol des Pfeiles deutet es sich an: Der Schütze braucht etwas, wohin er den Pfeil richten kann, ein Ideal, eine Vision, ein Gottesbild, etwas, für das er sich begeistert, für das er brennt.

Ein Schütze-betontes Kind fühlt sich zu Höherem berufen. Sein innerer Blick geht (ganz wie der Pfeil ) nach oben, in die Höhe, ins Licht. Der Schütze ist von Stolz beseelt, sein „innere Adel“ erwartet ganz selbstverständlich Würdigung, Respekt und Anerkennung.

Ein Kind mit Schütze-Sonne sehnt sich nach dem „Segen“, der Anerkennung – zu allererst durch die Eltern. Doch wenn sich der Pfeil des Schützen umkehrt und nach unten zeigt (als Zeigefinger des Vaters und der Mutter), gerät das innere Programm des Kindes in Gefahr. Sätze wie: Du bist schuld! Schäm dich! bringen das Kind aus der Balance seiner Selbstgewissheit.

Wer im Zeichen des Schützen geboren und depressiv ist, sollte sich für eine Färhtensuche folgende Fragen stellen, empfiehlt Riemann:

  • habe ich du den „Segen“ eines Vaters/meiner Mutter bekommen?
  • Waren meine Eltern stolz auf mich?
  • Haben sie an mich geglaubt?
  • Konnten meine Eltern sich selbst achten?

Dieser Hunger des Schützen nach Anerkennung wird später (wie bewusst auch immer) in eine Beziehung hineingetragen. Und Riemann spezifiziert dieses Beziehungs-Engagement:

Männer mit Schütze-Mond tun oft alles für den Segen der Partnerin, Frauen mit Schütze-Sonne ebenso viel für die Anerkennung durch einen „Zeus-Mann“. Man gibt dem anderen die Macht zum Richter über den eigenen Wert.

Was ist nun, wenn ich diesen Segen in der Kindheit nicht erfahren durfte? Wie auch in den anderen Kapiteln schildert Riemann an diesem Punkt ein Beispiel:

Eine Frau mit Schütze-Sonne erlebte in einem fernöstlichen Land Folgendes: Auf einem Marktplatz in einem kleinen Dorf wurde ein junger Mann öffentlich an den Pranger gestellt und von der ganzen Dorfgemeinschaft bespuckt, beschimpft und mit Gegenständen beworfen – wer weiß, was er ausgefressen hatte. Dieses Erlebnis erwies sich als Auslöser für die Depression, in die sie nach dieser Reise geriet. Sie erinnerte sich in der therapeutischen Arbeit an „Gerichtshofsituationen“ ihrer Kindheit, in denen sie vor versammelter Mannschaft bloßgestellt und beschämt wurde. Der oberste Richter war damals ihr Vater. Sie wäre damals am liebsten in den Erdboden versunken vor Scham und hatte als kleines Mädchen schon Selbstmordfantasien.

Das erloschene Feuer wieder entzünden

Riemanns Rat für den Weg aus der Depression: Hier geht es um die Wiederherstellung der Würde und Selbstachtung der stolzen Seele. Das erloschene Feuer will wieder angezündet werden, die göttliche Unzufriedenheit dieses Zeichens braucht Nahrung aus dem religiös-spirituellen Bereich, braucht Sinngebung.

Eine weitere Quelle von Depression ist oft ein gnadenlos strenges „Ideal-Ich“, die Spannung Grandiosität – Depression findet sich hier oft. Wer seine Ängste, seine Schattenseiten und „niederen Gefühle“ lange niederdrückt, wird depressiv, mag die Maske auch noch so perfekt erscheinen.

Heilung geschieht bei der Schütze-Depression nach Riemanns Worten über das Akzeptieren der eigenen Unvollkommenheit, über Versöhnlichkeit mit sich selbst – was nicht gleichzusetzen ist mit Demut oder Bescheidenheit. Nein, hohe Ziele, Visionen als Kraftquelle sind unerlässlich.

Das Kunststück beim Weg, der aus der Depression führen soll, besteht darin, sich immer nur auf den nächsten Schritt zu konzentrieren, das große Ziel zu verfolgen, „als ob man es nicht hätte“.

Die Beispiele für die jeweiligen Tierkreiszeichen können hier nur angerissenen werden. In 12 Gesichter der Depression – 12 Wege der Heilung geht Riemann – natürlich – tiefer und weiter. Er bringt die Urbilder unserer Seele ins Spiel, die Märchen, Sagen und Mythen, und er berichtet immer wieder aus seiner Praxis. Fazit: eine hilfreiche, lesenswerte, ungewöhnliche und überraschende Lektüre.

Steinbock

Ich bin nur Staub und Asche

Fritz Riemann, der Vater von Claus, war ebenfalls Psychologe und Therapeut. In seinem brillanten Buch „Lebenshilfe Astrologie“ beschreibt er die Tierkeiszeichen als eine Abfolge, einen Rhythmus von Gegenbewegungen. Darauf nimmt Claus Riemann Bezug bei der Depression des Zeichens Steinbocks:

War in der Jupiterwelt „Hoffnung auf Erfolg“ das Thema, so hier „Angst vor Misserfolg“, Angst vor Strafe, vor der „Rache der Götter“.

Für die Zeichen des Elements Erde ist die Welt kein Spielplatz. Allein die Tatsache, dass ich geboren bin, sagt sich der Steinbock, bedeutet, dass es noch etwas zu tun gibt, sonst wäre ich schon vom Rad der Wiedergeburt befreit. Ein Steinbock wird gewissermaßen mit einem „Schuldgefühl“ geboren: Ich bin noch etwas schuldig (im Sinne einer unerledigten Aufgabe, some unfinished karma).

Steinbockbetonte Kinder sind empfänglich für Elternbotschaften und Aufträge wie „Streng dich an“, „du bist verantwortlich für …“, „du musst …“, „du bist schuld …“ Oft sind sie bereit, sich Liebe und Anerkennung zu verdienen durch Arbeit, Leistung, Bemühen. Reichlich vorhanden in diesem Tierkreiszeichen ist die Bereitschaft, ein – in freudianischer Sicht – strenges Über-Ich zu entwickeln, sich schuldig und verantwortlich zu fühlen

Besser wäre es, man wäre nicht geboren – aber dieses Glück hat unter Tausenden kaum einer (Karl Valentin)

Das führt nicht selten dazu, dass man in der Herkunftsfamilie die Rolle des Sündenbocks übernimmt. Auf ihre Kosten dürfen sich andere dann als problemfrei erleben.

Familientherapeuten sagen, dass gerade Problemkinder ihre Eltern oft am meisten lieben – ihnen zuliebe übernehmen sie die Rolle des Sündenbocks, leben den Schatten, damit andere sich im Licht fühlen können.

Was hier niederdrücken und somit depressiv machen kann, ist also die übergroße Last von Schuld und Verantwortung, ein gnadenloses „Über-Ich“, wie Riemann schreibt. Auf der mentalen Ebene ist ein innerer Nörgler und Perfektionist unterwegs. Sein Lieblingsvorwurf ist: Nicht gut genug. Wahlweise: Du bist schuld.

Eine weitere Ursache für Steinbock-Depression kann aber auch das Fehlen einer Aufgabe sein, oder wie Riemann das so bildhaft beschreibt:

Eher wird der Steinbock in der Hängematte depressiv als im Steinbruch.

Im Mythos der Griechen verschlingt Kronos seine eigenen Kinder – ein großartigtragisches Bild für Depression: Hier geht es um Hemmung lebendiger Entwicklungsimpulse. Aber Zeus, er ist Kronos’ Sohn, besiegt den grausamen Vater im Kampf und zwingt ihn mit einem Brechmittel zur Herausgabe der verschlungenen Kinder. Ein wunderbares Bild für den Weg aus saturnischer (steinböckischer) Depression.

Wenn ein Steinbock-Mensch depressiv ist, soll er sich nach Riemann folgende Fragen stellen:

  • Welche Lebensenergien hat mein innerer Kronos verschlungen, wie hindern mich etwa negative Gedanken und Schuldgefühle am Leben?
  • Die verschlungenen Kinder des Kronos zu benennen, bewusst zu machen, ist der erste Schritt. Heißen sie Lachen, Weinen, Sexualität, Wut, Leichtigkeit?

Die Ursache aller Krankheit ist Hemmung
(Frank Mossmüller)

Im nächsten Schritt gelte es, das rechte „Brechmittel“ zu finden, um ungelebte, blockierte Lebensenergien zu befreien, schreibt Riemann. Hier setzt, wie bei allen Erdzeichen, körperorientierte Arbeit an: Verpanzerung, ver-körperte Blockaden sollen aufgeschmolzen werden, eingesperrte Energien und Gefühle sollen wieder aufleben.

Eine Steinbockfrau bekam in einer Therapiegruppe von innen eine Botschaft: Nichts muss sein. Lao Tse sagt: „Der Weise tut nichts, doch bleibt nichts ungetan.“ Die Sonne geht schließlich auch dann auf, wenn du morgens im Bett liegen bleibst, du musst sie nicht den Horizont emporwuchten.

Den Steinbock kann und soll man nicht zu einer „Take-it-easy“-Haltung bekehren. So einfach es klingt – Arbeit heilt die Depression des Steinbocks. Sie muss allerdings im Sinne eines Dienens absolviert werden, im Sinne des Dienstes an der Sache – nicht im Sinne des „freudlosen Fronarbeiters, der das Pech hat, in eigenen Diensten zu stehen“, wie Oskar Adler das einmal genannt hat, der großartige Rennaissance-Mensch des frühen 20. Jahrhunderts.

Wassermann

Es gibt immer und überall den Kubikzentimeter Möglichkeit (Schamane Don Juan)

Wird die Seele eines Wassermann-Geborenen depressiv, schreibt Riemann in seinem Beitrag über die Depression beim Sternzeichen Wassermann, hat das mit dem Käfig der Gewohnheiten zu tun. Ein therapeutischer Ansatz sei es, Regeln zu brechen, und er fährt fort:

Steh einmal bewusst mit dem anderen Fuß auf, zieh das Hemd vor den Socken an, geh nicht in deine Stammkneipe, nimm beim Joggen einen anderen Weg – und du wachst auf! Selbst banale Alltagssituationen können neue Lebendigkeit und Inspiration schenken.

Jeder Fluss fließt zum Meer – auf seinem Weg. Und man muss es wiederholen, damit deutlich wird, was dem Wassermann etwas bedeutet: auf seinem Weg!

Individuation nennt das C. G. Jung (der Aszendent Wassermann war) – die Diktatur des Wörtchens man (man tut nicht, man darf nicht, man soll nicht) ist dem Zeichen verpönt.

Folge keinem Guru nach, sei dein eigener Guru. Krishnamurti

Man könnte auch mit dem Buchtitel von Robert Betz fragen: Willst du normal sein oder glücklich? Was den Wassermann in die Depression führen kann, ist der (meist aufgezwungene) Versuch, normal zu sein. Sie leben wie Hühner und sind doch zum Adler geboren.

Der Psychologe und Bestsellerautor Robert Betz führt seine Leser auf den Weg des Herzens und zeigt, wie ein Leben voller Freude, Leichtigkeit, Erfolg und Erfüllung endlich Wirklichkeit wird.

Im Abschied leben ist der Lebensauftrag der Wassermannseele – nicht die Verwurzelung. Nicht wegfliegen können bzw. dürfen aus falsch verstandener Verantwortung ist oft ein großes Problem. Riemann schreibt dazu …

… die „weise Verantwortungslosigkeit“. „Festungsfamilien“, die ihre Kinder nicht gehen lassen, auf die Tradition pochen, sind hier der Horror. Ebenso tödlich für Wassermannenergie sind Botschaften wie: „lass mich nicht im Stich“, „sei dankbar“ sowie alle Sätze, die mit dem Wörtchen „man“ beginnen.

Wie geht nun Heilung für den depressiven Wassermann? Antidepressivum Nummer eins, sagt der Therapeut Riemann, ist Tanz – wörtlich wie symbolisch. Eine flache Atmung kennzeichnet häufig den Depressiven: Er „gönnt“ sich wenig Luft und somit wenig Lebensenergie. Besonders bei Luftzeichen ist Atemarbeit hilfreich (das Sternzeichen Wassermann ist das dritte der Luftzeichen, zu denen noch Zwillinge und Waage gehören), um das Gefühl von Weite und Freiheit in den Brustraum zu bekommen – um das Huhn in den Adler zu verwandeln.

Viele Menschen mit einer starken Wassermann-Signatur (Sonne, Mond, Aszendent) sprechen Die Wassermannseele wird wie keine zweite geboren mit dem Gefühl: Ich bin anders als die anderen. Oskar Adler, der von allen Seiten gerühmte Arzt, Musiker und Astrologe aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, spricht in diesem Zusammenhang von „Prinz/Prinzessin incognito“.

So sehr dieses Bewusstsein eine Quelle von Stolz und innerer Freiheit sein kann, so quälend ist oft das Gefühl von Fremdheit, Einsamkeit. Mancher fühlt sich wie der Außerirdische E.T., der durch irgendeine seltsame Idee des Universums auf dem falschen Planeten gelandet oder zu falschen Zeit am falschen Ort ist.

Fische

Dein Wille geschehe

Niemandem, schreibt Claus Riemann im Abschnitt Fische, fällt es so schwer wie der mitfühlenden Fischeseele, andere zu verletzen, zu enttäuschen – lieber geht man selbst zugrunde. Groß ist die Bereitschaft, sich aller guten Energien berauben zu lassen, wenn jemand mit der „Rette-mich“– oder „Hilf-mir“-Botschaft kommt.

Empfindsamkeit, Zartheit, Sehnsucht, Tränen – wenn eine Fischeseele in die Depression geraten ist, so wurden oft diese so wichtigen Energien von Kindheit an niedergedrückt. Depressives „Niedergedrückt-sein“ bedeutet aber immer Abwesenheit von Gefühlen! Gerade Männer, die mit der hochsensiblen Fische-Anlage geboren sind, werden aus der Not heraus oft zum „Trockenfisch“ oder „Haifisch“.

Ich höre dich und spüre mich

In der Herkunftsfamilie sind mitfühlende Fische-Kinder durchlässig für die oft unausgesprochenen Erwartungen und Bedürfnisse des Umfeldes. Sie erspüren in der Mutter und im Vater Leid und Bedürftigkeit, sehen in den Eltern eher Opfer als Täter. Riemann schildert ein Beispiel aus seiner Therapeutenpraxis:

Ich erinnere mich, wie eine Frau mit Fische-Sonne in einer Therapiesitzung wieder erlebte, wie ihr Vater sie halbtot prügelte, als sie vier Jahre alt war. In der Seele eines feuerbetonten Kindes etwa wären in diesem Moment ohnmächtige Wut, verletzte Würde oder Rachegedanken zu erwarten: Irgendwann zahl ich’s dir zurück! Die Fischefrau dagegen empfand tiefes Mitgefühl mit dem Vater, dachte schon damals bei sich: „Mein armer Vater. Wie sehr muss er in seinem Leben misshandelt worden sein, was muss er alles erlitten haben, dass er sich nicht anders zu helfen weiß, als Gewalt anzuwenden!“

Depression bei Fische-Geborenen

Niederdrücken der inneren Realität, der Gefühle und Bedürfnisse; sich „fernsteuern“ lassen von den Erwartungen des Umfeldes; sich den Standpunkt des anderen zu eigen machen – das alles sind Anzeichen und Gefahr für eine sich etablierende Depression bei Fische-Geborenen.

Riemann erzählt dazu eine Geschichte aus seiner Praxis. Ein Fischemann …

… dessen langjährige Ehe vor dem Aus stand, (…) war evangelischer Pfarrer. Als ihm klar wurde, dass die Trennung unvermeidlich war, sagte er zu mir: „Es ist nicht das Problem, allein leben zu müssen – darauf freue ich mich sogar. Mein Problem ist, dass es offensichtlich nicht möglich ist, schuldfrei zu leben“. Er sagte auch: „Das Schöne am Alleinsein wird sein, dass ich dann niemanden mehr enttäuschen kann!“

Oft allerdings reagiert der im Zeichen Fische Geborene auch auf vermeintliche Erwartungen. Zu welch grotesken Schwierigkeiten es führen kann (Riemann spricht auch von „Ich-Schwäche“), wenn zwei Fische aufeinandertreffen, erlebte Riemann in einer seiner Eheberatungen:

Sowohl er als auch sie hatten den Sonnenstand im Zeichen Fische. An ihrem Hochzeitstag saßen sie einst auf der Terrasse eines Restaurants mit Bergblick. Angesichts des Panoramas sagte sie: „Ach, wie wunderschön doch die Berge sind!“ Er – einfühlsam, wie er war – schlug sofort eine Bergwanderung am nächsten Wochenende vor – obwohl er es im Grunde hasste. Auch sie hasste Bergtouren, aber – einfühlsam, wie sie war – wollte ihn nicht enttäuschen. Was folgte, kann man sich denken: Viele Monate lang verbrachte das Paar die Wochenenden in den Bergen, jeder tat es dem anderen zuliebe. Irgendwann einmal hatte das Drama ein Ende: Sie gerieten auf einer ihrer Wanderungen in einen Schneesturm, worauf ihr der Satz entfuhr: „Ich hasse diese Berge!“ Er pflichtete ihr – sehr erleichtert – bei. Seitdem waren sie für die Alpen verloren.“

Manchmal besteht ein Krieger nur aus Tränen
(Schamane Don Juan)

Diese Ich-Schwäche der Fischeseele ist Segen und Fluch zugleich: Sie ermöglicht Verstehen und Mitgefühl, kann allerdings auch dazu führen, dass man ein Leben lebt, das „ein anderes von ihm träumt“ (Oskar Adler). In diesem Fall empfiehlt Riemann regelmäßige „Einsamkeitskuren“ und nennt das „Im Leben immer wieder heimkommen“ (in der Stille der Meditation, im Natur- oder Musikerleben, absolute Hingabe in Liebe und Sexualität).

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