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Depression aus Sicht der Astrologie: von Löwe bis Skorpion

Depression aus Sicht der Astrologie: von Löwe bis Skorpion

Wie erlebt das Sternzeichen Löwe „seine“ Depression, wie die Jungfrau, die Waage, der Skorpion? In 12 Gesichter der Depression skizziert der Psychologe Claus Riemann eine erstaunliche Idee: Im Falle einer Depression, sagt der auch als Astrologe renommierte Therapeut, zeigt jedes Tierkreiszeichen seine eigene, je individuelle Ausprägung.

Für eine glückliche Kindheit ist es nie zu spät

Claus Riemann ist Psychologe und Astrologe. In seinem Buch 12 Gesichter der Depression beschreibt er den Zusammenhang zwischen Formen der Depression und der Astrologie: Jede Depression, so seine Überzeugung, trägt in ihrem Wesen den Charakter des jeweiligen Tierkreiszeichens, in dem der Patient geboren ist. Und damit Ansätze für einen Ausweg aus der furchtbaren Krankheit.

Riemann orientiert sich bei seiner Analyse an einer sehr traditionellen, aber wenig bekannten Auffassung der Astrologie: der Abfolge von Gegenbewegungen. (Eine Beschreibung dieses Rhythmus lesen Sie in dem Beitrag Basisinformationen zu Astrologie.)

In diesem Beitrag erfahren Sie, was Riemann zu den Formen der Depression der Sternzeichen Löwe, Jungfrau, Waage und Skorpion schreibt.

Löwe

Hätte Gott mich anders gewollt, hätte er mich anders gemacht

Der Sonnenstand, also unser Sternzeichen im Horoskop, deutet auf unsere „Herzensanliegen“, auf das, was uns so wichtig ist, dass es unser Leben zu bestimmen vermag. Hier geht es um zentrale Aspekte der Existenz, niemals um Nebensächlichkeiten.

Löwe, das Zeichen der Sonne, des Südens, des tanzenden Alexis Sorbas, scheint auf den ersten Blick genauso wenig „Talent“ zur Depression zu haben wie die anderen Feuerzeichen, schreibt Claus Riemann in seinem Buch 12 Gesichter der Depression.

Löwen sind, auch wenn das paradox klingen mag, Egoisten mit Ich-Bezug – es geht ihnen ausschließlich um sich selbst und ihr Ansehen in der Welt. (Erst die Pervertierung dieser Haltung führt zu einer unangenehmen Ausprägung der Chrakteranlage.)

Ein Löwekind wird geboren mit einer unsichtbaren Krone auf dem Kopf, mit der selbstverständlichen Erwartung, dass die Familie sich glücklich schätzt über die Ankunft des göttlichen Kindes. Botschaften wie „Sei nicht so egoistisch, anspruchsvoll, nimm dich nicht so wichtig!“ sind ebenso Gift für die Löweseele wie ein „Denk an dich selbst zuletzt“.

Die Depression des Löwen erhebt sich immer dann, wenn ihm die Herzensanliegen verwehrt bleiben. Was andere als Enttäuschung erleben mögen, ist dem im Zeichen Löwe Geborenen ein Versagen des Lebens: Er fühlt, dass ihm Leben versagt bleibt.

Der Weg aus der Depression geht über Wiederherstellung der Würde und die Selbstachtung der verletzten Königsseele. Heilung verletzter Selbstachtung geht nur über ein bedingungsloses Ja zu sich selbst: Wenn Gott dich anders gewollt hätte …!

Bedingungsloses Akzeptieren ist hier Grundvoraussetzung für den Heilungsweg; Kritik oder „Änderedich“-Botschaften wirken kontraproduktiv.

Die Beispiele für die jeweiligen Tierkreiszeichen können hier nur angerissenen werden. In 12 Gesichter der Depression – 12 Wege der Heilung geht Riemann – natürlich – tiefer und weiter. Er bringt die Urbilder unserer Seele ins Spiel, die Märchen, Sagen und Mythen, und er berichtet immer wieder aus seiner Praxis. Fazit: eine hilfreiche, lesenswerte, ungewöhnliche und überraschende Lektüre.

Jungfrau

Ich musste immer nur funktionieren

Riemann erzählt im Kapitel Jungfrau von einem Patienten mit Mond in Jungfrau (im Horoskop). Der sagte über seine Kindheit:

Ich musste immer nur funktionieren.

Die ohnehin vorhandene Leistungsbereitschaft des Zeichens Jungfrau kann auf die Spitze getrieben werden durch Eltern-Botschaften wie „streng dich an“, „pass auf“, „sei perfekt“, „du musst es schaffen“.

Die Angst, „es“ nicht zu bringen, nicht zu genügen, kann zu verzweifelten Bemühungen und Stressprogrammen führen, schreibt Riemann weiter; der innere Antreiber wird dann gnadenlos.

Auch in Beziehungen leben diese Muster wieder auf: Frauen mit Jungfrau-Sonne versuchen, einem strengen Vater-Mann alles recht zu machen, Männer mit Mond in Jungfrau werden in der Partnerschaft zu bemühten Söhnen, geben der Partnerin die Macht zur Gouvernante.

Noch ein Beispiel aus Riemanns Praxis, das die ständige Sorge des Zeichens beschreibt, die sich in der Depression ausweitet zu einer veritablen Angst und somit zu Lähmung.

Riemann schildert einen Mann (Mond und Sonne in Jungfrau), dessen Arbeitsstelle in München nur fünf Minuten von seiner Wohnung entfernt lag.

Allerdings wäre er auf diesem Weg an einer Villa mit Eisentor vorbeigekommen, hinter dem ein Hund an seiner Hundehütte angekettet war. Da es nun hätte sein können, dass 1. das Tor einmal offen gewesen wäre, 2. der Hund einmal nicht angekettet gewesen wäre, 3. selbiger ihn hätte beißen können, ging er jeden Tag einen viertelstündigen Umweg. Seine Frau liebte Bergwandern. Er litt unerträgliche Ängste, wenn sie am Wochenende unterwegs war, beobachtete sie mit dem Fernglas aus dem Tal, immer bereit, den Rettungshubschrauber zu rufen. Zum Frühstück pflegte er ihr Zeitungsausschnitte auf den Teller zu legen mit Texten wie „Schon wieder Tourist am Watzmann tödlich verunglückt“.

Bewusst Regeln zu brechen kann ein Antidepressivum sein – Adrenalinschübe sind garantiert

Die Angst vor dem einen, vielleicht entscheidenden Fehler hemmt jede Lebendigkeit: Man möchte am liebsten erst dann ins Wasser gehen, wenn man schwimmen kann, wie Riemann das einleuchtend beschreibt.

Will man Fehler vermeiden, gibt es zwei extreme Möglichkeiten. Nicht mehr am Leben teilzunehmen, jede (lebensgefährliche) spontane Lebendigkeit „niederzudrücken“, oder in genauso lebensfeindlichem Perfektionismus zu erstarren, nur noch zu „funktionieren“.

Depression im Sinne des Jungfrau-Archetyps hat also zu tun mit Vorsicht, Angst und Kontrolle. Spontaneität wird als Fehlerquelle gefürchtet, der Leitsatz heißt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Der Schlüssel zum Verständnis der Jungfrau-Depression ist Angst, und sicherlich ist das Umgehen mit Angst die größte Herausforderung. Hier öffnet sich aber auch der Weg aus der Depression.

Angst ist ein Frühwarnsystem – wo aber lähmt und hemmt sie den lebendigen Fluss der Energie? Verhaltenstherapeutische Methoden (systematische Desensibilisierung) und Mentaltraining sind eine empfehlenswerte Maßnahme, schreibt Riemann. In kleinen Schritten und Übungen kann man sich freimachen von den Erwartungen – den eingebildeten wie den tatsächlich vorhandenen. Man kann lernen, das zu tun, zu sagen, dem zu begegnen, was Angst macht.

Eine sinnvolle Übung kann es etwa sein, bewusst Fehler zu machen. Riemann:

Zieh einmal zwei verschiedenfarbige Socken an (etwa gelb und rot, damit es auch schön auffällt), zieh den Pullover falsch herum an, und gehe so in ein gut besuchtes Restaurant. Du wirst es überleben! Vermutlich wird es verstohlene Blicke, Kopfschütteln, Gerede geben. Das ist aber nicht dein Problem. Du hast dich ja nur entschieden, zwei verschieden farbige Socken anzuziehen. Die anderen haben das Problem, weil sie das nicht einordnen können.

Waage

Meine Religion ist ganz einfach, sie bedeutet Freundlichkeit (Dalai Lama)

Der Luftmensch (Zwillinge, Waage, Wassermann) ist von der Anlage ein Denktypus.

Waagebetonte Kinder werden geboren mit einem großen Hunger nach Schönheit. Auf der inneren Ebene, so beschreibt Riemann diese Schönheit, nennt man es Freundlichkeit im Sinne des Dalai Lama (der einen Waage-Aszendenten besitzt).

Auf der äußeren Ebene sehnt man sich nach Eltern, die man gerne anschaut, die in der Welt eine gute Figur machen.

Wird ein Waage-Mensch von einer Depression befallen oder, in einer Vorstufe, von einem depressiven Anflug, so sollte sich dieser Mensch fragen, ob er als Kind hat „eitel“ sein und seinen kindlichen Charme ausleben dürfen? Oder musste er unter moralischen Anklagen und „Bedeutsamkeiten“ leiden?

Musste man die abgetragenen Sachen der älteren Geschwister tragen, bestimmten andere über den sich entwickelnden Geschmack? Um die Ursache einer Waage-Depression zu finden, sind Fragen hilfreich, die um das Thema schön/hässlich kreisen.

Auf der inneren Ebene ist es für den Waage-Menschen wichtig, dass sich das Leben in der Familie richtig anfühlt: schön, harmonisch und freundlich. Waage-Kinder leiden sehr, wenn ihre Eltern nichts vom „lebe, liebe, lache“ verstehen, schreibt Riemann.

Ein Waage-Mensch ist mit einer tiefen Sehnsucht nach Beziehung geboren. Bleibt dieses Wir-Gefühl aus, dann ist der Waage-Mensch tief verzweifelt. Verliert man schon früh den Glauben an die „schöne Welt“, kann das ebenso wie ungelebte Erotik, ungelebter Tanz, ungelebte Leichtigkeit in die Waage-Depression führen.

Riemanns Beschreibungen eines Heilungswegs für die Waageseele sind nicht leicht zu akzeptieren – zu wenig konkret scheinen sie zu sein, zu sehr einer Äußerlichkeit verhaftet.

Wer sich aber in die Seele eines so beschriebenen (Waage-)Menschen einfühlt, kann vielleicht nachvollziehen, dass Riemanns Ansatz so ganz falsch nicht ist. Der Heilungsweg für den Waage-Menschen aus der Depression, so Riemann,

… geht über Schönheit in jeder Form, Tanz, Leichtigkeit, Begegnung mit Menschen. Der vergiftete Apfel soll ausgespuckt werden – mit therapeutischer Hilfe. Therapieformen, die sich kreativer Mittel bedienen erscheinen mir geeigneter als strenge, konfrontierende Methoden. Menschen, die etwas von der Hippieenergie haben, (Lebens-)Künstler, die man im „Salon“ trifft, sind bessere Heiler als pflichtbewusste Schwerarbeiter, die zum Lachen in den Keller gehen. War in der Familie der Aufenthalt auf der Blumenwiese verboten, kannst du dir als Erwachsener selbst den Eintritt gestatten!

Das beste Mittel gegen das Böse ist energischer Fortschritt zum Guten (aus dem I Ging)

Zu erleben, dass ich, die Waage, auch mal nein sagen kann, ohne dass dann die Welt untergeht, ist notwendig, will man nicht in der Maske des nur netten, angenehmen Menschen, der keine Probleme macht, depressiv werden.

Skorpion

Wenn’s dir schlecht geht, geht’s dir gut

Versteht man Depression als Niederdrücken von Lebensenergie, schreibt Riemann, dann ist Skorpion mit Sicherheit die Nummer eins auf der Liste der Gefährdeten.

In der Skorpionseele ist schließlich all das zu Hause, was seit Jahrhunderten in unserem Kulturkreis gefürchtet, oft als böse definiert und deshalb unterdrückt wurde und wird: Hexen, Unterweltgötter, Schlange und Spinne, Sex und Tod. All diese Themen rühren an kollektive wie individuelle Ängste und Tabus.

Das Skorpionkind bekommt es wie kein anderes mit Tabus und den dazugehörigen Ängsten und Verurteilungen in der Familie zu tun. (Um einem möglichen Missverständnis vorzubeugen: Es handelt sich dabei um keine „statistische Größe“, dass Kinder, die zwischen Ende Oktober und Ende November geboren sind, häufiger mit „Tabus“ konfrontiert werden als andere; nach astrologischem Verständnis ist das Skorpionkind von seiner Anlage her nur besonders „empfangsbereit“ für Geheimnisse und Tabus.)

Die Erfahrung ist dann: „Wenn ich so bin, wie ich wirklich bin, werde ich nicht geliebt. Also muss ich, um geliebt zu werden, überleben zu können, Kreide fressen, mein wahres Wesen verbergen.“ Die Weisheit der Skorpionkinder, deutet Riemann an, stellt unser traditionelles Gut-Böse-Schema auf den Kopf.

Kinder, die so denken, fühlen und handeln, sind eine Herausforderung für die Eltern – vor allem wenn die Eltern „gute Menschen“ sind. Zeigen sich aber auch die Eltern nackt, ohne Maske – ist die kleine Skorpionseele zufrieden.

Je mehr Verlogenheit, Maske, Unechtheit, desto schwieriger wird es. Skorpionkinder sind Meister im Aufdecken von Familiengeheimnissen, Spezialisten für den „psychischen“ (und realen) Keller der Familie – das macht sie unbequem für Eltern, die etwas zu verbergen haben.

Ein wichtiges Bild zum Verständnis der Depression ist hier nach Riemann die verschlossene Kellertür. Die Entsprechung von Keller oder Unterwelt auf der körperlichen Ebene ist der Unterleib, das Becken, die dem Skorpion zugeordnete Körperregion. Sex wird hier zum Antidepressivum Nummer eins.

Es braucht viel Mut, unsere dunklen Seiten anzuschauen, uns mit unseren Abgründen zu konfrontieren. Für den Weg aus der skorpionischen Depression ist dieser Mut allerdings unerlässlich.

Entwicklung kann weh tun, Wachstum kann Schmerzen bereiten, es gibt keine Geburt ohne Wehen. Das weiß die Skorpionseele, und Riemann berichtet von einer Gruppe,

… in der die Teilnehmer sehr tief in ihre „Unterwelt“ eintauchten. Es wurde getobt, geschrien, geheult, gekotzt – kurzum, es war „höllisch“ intensiv. Einer der Teilnehmer (mit Sonne in Skorpion) kam danach mit leuchtenden Augen zu mir und sagte: „Wenn es jemandem so dreckig geht, denke ich immer: Wie toll für den!“

Ein Paradoxon

„Wenn’s dir schlecht geht, geht’s dir gut“, sagen manche Therapeuten, oder: „Wenn du die Hölle liebst, bist du im Himmel!“ C. G. Jung spricht in diesem Zusammenhang von der „geheimen Identität der Gegensätze“.

Auch sagt er: „Der Schatten verwickelt dich ins Leben.“ All das, was du abspaltest, „verteufelst“, nicht einlädst ins Leben, einsperrst im Keller, wird auf die Dauer böse, giftig, destruktiv wie die dreizehnte Fee in Dornröschen, die nicht zum großen Essen eingeladen wird. Die Kellertür zuzuhalten macht Körper und Seele auf die Dauer müde, depressiv. Also heißt es, im rechten Tempo, im rechten Maß die Kellertür wieder zu öffnen, Freundschaft zu schließen mit dem Vulkan in unserer Unterwelt, mit unserer Leidenschaft und Sexualität. „Alles an dir ist etwas wert, wenn du es nur besitzt“ (das heißt, dich dazu bekennst, es bewusst machst), sagt Sheldon Kopp. Gelernte Scham- und Schuldgefühle wollen entmachtet werden, die Kraft, die „das Böse will und das Gute schafft“ (Goethe), führt zu neuer Lebendigkeit.

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