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Die Depression und ihre Gesichter

Die Depression und ihre Gesichter

Der Psychologe Claus Riemann hat ein Buch geschrieben über die Krankheit Depression und mögliche Wege zur Heilung. Riemanns Ansatz: Jedes der zwölf Sternzeichen kennt seine „eigene“ Depression: die zwölf Gesichter der Depression.

Er ist ein (junges) Kind der 68-er Generation, und in manchen seiner Vorträge schimmert dieser Hintergrund durch. Dann spricht er vom Archetypus des Weiblichen oder Männlichen, von Anima und Animus, von der Hetäre, vom inneren Krieger, vom sanften Helden. Worte, die einen Fundus ahnen lassen, der nichts zu tun haben mag mit der technokratischen Welt und ihrer Erbarmungslosigkeit. Worte, die sich der Seele widmen, ihrem Antrieb, ihrer Dynamik, ihren Absichten und ihrem Ziel.

Pionier in mancherlei Hinsicht:
Fritz Riemann, der Vater

Claus Riemann, Jahrgang 1951, ist Sohn des großen Psychologen Fritz Riemann. Ob ihm das Vorbild des Vaters zu schaffen gemacht und ihm Perspektiven genommen hat? Mag sein – zumindest aber war Fritz Riemann, der Verfasser des Bestsellers und Standardwerks Grundformen der Angst, Vorbild für den Sohn, denn Riemann junior trat in die Fußstapfen des Vaters: Er wurde Psychologe.

Wie der im Doppelsinn junge Riemann zur Astrologie fand, auch das scheint durch den Vater bestimmt. Riemann d. Ä. hatte in der Astrologie einen Zugang entdeckt zu den Nöten seiner Patienten, den keine andere Disziplin bot, geschweige denn so schnell bot! Sozusagen primavista, wie das bei Musikern heißt, die ein Stück vom Blatt spielen.

Im Horoskop seiner Patienten fand er die Hinweise, die hilfreich waren für die Therapie und die ihn auf unvergleichliche Weise und schnellstmöglichem Weg zum Kern des Problems vordringen ließen.

Riemanns verständnisvolle Interpretation angesichts des Horoskops, jener Gravur der Seele seiner Patienten, nahm denen oft und oft genug schlagartig eine Last: Sie fühlten sich in ihrem Wesen erkannt und berührt: Endlich hatten sie eine Erklärung fürs Warum ihrer Erkrankung. Endlich mussten sie sich nicht für verrückt halten, sondern maximal für ver-rückt, also verschoben und verdrängt aus einer lebenswerten Existenz.

Riemanns verständnisvolle Interpretation angesichts des Horoskops, jener Gravur der Seele seiner Patienten, nahm denen oft und oft genug schlagartig eine Last: Sie fühlten sich in ihrem Wesen erkannt und berührt: Endlich hatten sie eine Erklärung fürs Warum ihrer Erkrankung. Endlich mussten sie sich nicht für verrückt halten, sondern maximal für ver-rückt, also verschoben und verdrängt aus einer lebenswerten Existenz.

In den Fußstapfen des Vaters und trotzdem eigene Spuren hinterlassend

Claus Riemann tauchte also ebenfalls ein in die Astrologie. Er deckte Verbindungen zu Mythen und Märchen auf, er gab Beratungen, hielt Vorträge über die Astrologie (auf CD erhältlich), und er wurde, nolens volens, zum Schriftsteller: Die Teilnehmerin eines seiner Seminare war Lektorin, und es entstand das zauberhafte Buch Der tiefe Brunnen – Die zwölf Archetypen der psychologischen Astrologie.

Und nun also das Buch 12 Gesichter der Depression – 12 Wege der Heilung. Die Geschichte dieses Buches reicht zurück ins Jahr 1998.

Damals leitete Riemann ein Astrologie-Seminar auf seinem Grundstück in der Toskana. In einer der Sitzungen wollte er ein Beispiel dafür geben, wie im Sinne der zwölf Tierkreiszeichen ein und derselbe Begriff zwölf verschiedene Gesichter bekommt.

Warum ich gerade »Depression« als Beispiel wählte, weiß ich nicht mehr – jedenfalls hielt ich aus dem Stegreif einen Vortrag über dieses Thema. Wichtig war mir zu zeigen: Depression ist nicht gleich Depression.

Der Psychologe Riemann geht darin zunächst auf das Wesen der Krankheit Depression ein. Er zeichnet den Weg des Menschen vom selten einmal durch Niedergeschlagenheit gedrückten Babyalter hin zu den Jahren der Erziehung und Sozialisation, und er schreibt:

Der zunächst noch unschuldige Fluss der Lebensenergie wird nun kanalisiert, kontrolliert, nicht selten blockiert, gehemmt.

Bereits auf diesen ersten Seiten von Riemanns 12 Gesichtern der Depression taucht er auf, der Hinweis auf Märchen, auf ihre tiefe Wahrheit, auf das in Geschichten und Bilder verdichtete Wissen um alles Menschliche.

Was du nicht lebst, lässt dich nicht leben, sagt eine alte Therapeutenweisheit. Ist diese Frage beantwortet, kann die Heilung beginnen. Dann kann ich damit beginnen, die dreizehnte Fee zu versöhnen, ein Motiv aus dem bekannten Grimm’schen Märchen »Dornröschen«. Diese wird zur bösen Fee, zur Giftmischerin, weil sie nicht zum großen Fest anlässlich der Geburt von Dornröschen eingeladen wurde – es waren nur zwölf Gedecke vorhanden. Habe ich also meiner dreizehnten Fee einen Namen gegeben (zum Beispiel Wut, Sex, Trauer …), kann ich einen Weg suchen, der die blockierten Energien wieder in Fluss bringt. Um den Bogen zur Astrologie zu spannen: Jedes Tierkreiszeichen hat seine »Lieblingsfee« – davon wird in den folgenden Kapiteln die Rede sein.

Danach geht es los: Riemann porträtiert das Woher und Wohin der einzelnen „Sternzeichen“, ihre je spezifischen Ursachen und Ausdrucksformen, wenn sich die Depression ihrer bemächtigt. Das ist in sich schlüssig gestaltet, das ist aufschlussreich, das klingt naheliegend, und es ist vor allem eines: wunderbar geschrieben. Riemann:

Ich hoffe und glaube, dass dieses Buch auch für diejenigen interessant sein kann, die sich bisher mit Astrologie wenig oder gar nicht beschäftigt haben – Vorkenntnisse sind nicht vonnöten.

Fritz Riemann, Claus Riemann, Astrologie

Fritz Riemann (geboren 1902) war nach einem Studium der Psychologie und der Ausbildung zum Psychoanalytiker einer der Gründer des Instituts für psychologische Forschung und Psychotherapie in München, heute firmiert dieses Institut unter dem Namen Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie.Dort wirkte er als Dozent und Lehranalytiker und führte eine eigene psychotherapeutische Praxis.

Seine Verdienste um die Psychoanalyse brachten ihm die Ehrenmitgliedschaft der „American Academy of Psychoanalysis“ in New York.

Sein 1961 veröffentlichtes Werk Grundformen der Angst hat Marken gesetzt und gilt auch heute noch als Standardwerk. Es ist, mehr vielleicht für den Laien als für den Fachmann, ein Buch, das tiefe Einblicke schenkt.

„Wissenschaften ohne menschliche Selbsterkenntnis sind schädlich.“ Rudolf Steiner

Riemann verblüffte seine Kollegen, als er sich für die Astrologie interessierte und deren Möglichkeiten in seine tägliche Praxis als Therapeut integriert – wenn die Patienten das akzeptierten. Er sah in der Astrologie (in Abgrenzung zur Trivialastrologie) eine Hilfe für das Selbst- und Fremdverständnis – keinesfalls aber ein Instrument für die Voraussage fatalistischer Ereignisse. Wie eigentlich immer, wenn andere als die gewohnten Pfade beschritten werden, wurde auch Riemann wegen seiner „absonderlichen“ Ansichten angefeindet. Man versuchte, ihn zu diskreditieren, aber er wusste es besser und hielt an seinen offenkundigen Erfahrungen fest.

Riemann hat ein grundlegendes Buch zur Astrologie geschrieben. Lebenshilfe Astrologie – Gedanken und Erfahrungen führt in die Grundlagen der Astrologie ein, und der Leser erfährt aus erster Hand, wie sehr Riemann die jahrtausendealte Kunst schätzte.

Riemann starb wenige Wochen vor seinem 78. Geburtstag in München.

© Sauro Porta

© Sauro Porta

Claus Riemann, Jahrgang 1951, folgte den Spuren seines Vaters. Er studierte Psychologie, wandte sich der Familientherapie zu und praktizierte unter anderem bei pro familia.

Seit 1976 unterrichtet er Astrologie. Seine Vorträge zu den Tierkreiszeichen, den Planeten und Häusern der Radix sind auf CD erschienen.

„Astrologie“, schreibt Fritz Riemann in seinem Buch Lebenshilfe Astrologie, „faßt unser Sonnensystem, letztlich das ganze Universum, als einen gewaltigen Organismus auf, in welchem jedes Teilchen vom Ganzen beeinflußt wird und seinerseits das Ganze beeinflußt in immerwährender Wechselwirkung.“

Die Kräfte dieses Organismus’ werden durch unsere Planeten symbolisiert und deren Stellung in den Sternzeichen (Tierkreiszeichen) und Häusern. (Die Häuser sind eine astronomische Größe, die auch in der Astrologie Anwendung findet.)

„Je nachdem“, so Riemann weiter, „in welchem Medium sie sich manifestieren, wirken sich diese planetaren Prinzipien auf der mineralischen, pflanzlichen, tierischen oder menschlichen Ebene, den Reaktionsmöglichkeiten des Mediums entsprechend, verschieden aus, in stofflichen, organischen, seelischen und geistigen Reaktionen. Der Mensch, der wohl als einziges Lebewesen in alle drei Ebenen, die stofflich-körperliche, die organisch-biologische und die seelisch-geistige hineinragt, kann sie daher als physikalische Kräfte und Gesetze der Materie, als organische Funktionen und als seelisch-geistige Impulse oder Prinzipien erfahren.“

Und somit auch als Indikator für Krankheiten des Körpers und des Geistes.

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