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Gesichtsdiagnostik

Gesichtsdiagnostik

Die Gesichtsdiagnostik ist eine weitgehend in Vergessenheit geratene Diagnoseform der Naturheilkunde. Sie schenkt Einblicke in die Seele und gibt Hinweise auf Funktionsstörungen des Körpers.

„Die Gesichtsdiagnose bietet dem Patienten einen ganz großen Vorteil“, Der Münchener Heilpraktiker Michael Münch untersucht seine Patienten per Gesichtsdiagnostik, auch Antlitzdiagnostik genannt. Er sagt:

»Häufig finden wir durch unsere Untersuchungsverfahren Funktionsstörungen, die durch klinische Methoden nicht oder noch nicht erkennbar sind.«

Antlitzdiagnostik, ein vielfältiges Gebiet

Diagnostik ist ein anderes Wort für die jeweilige Art einer Untersuchung: zum Beispiel die Untersuchung mit bildgebenden Verfahren (Röntgen, Ultraschall, Tomographie) oder die Analyse im Labor. Bei der Gesichts- oder auch Antlitzdiagnose sucht der Arzt im Gesicht des Patienten nach Hinweisen auf Funktionsstörungen im Körper. Diese Methode, sie wird auch Physiognomik genannt, geht zurück auf Carl Huter, der wiederum auf andere aufbaute. So finden sich bereits in den Schriften von Aristoteles Hinweise auf physiognomisches Wissen (physis „Körper“, gnome „Wissen, Kennzeichen, Lehre“).

Beobachter seiner Mitmenschen: Carl Huter

Wer Gesichtsdiagnose sagt, muss Carl Huter nennen: Zeit seines kurzen Lebens (1861 bis 1912) hat sich Huter der Menschenkunde gewidmet.

Das darf man wörtlich verstehen, denn schon als junger Bub beobachtet Huter die Menschen in seinem Geburtsort Heinde, wie er später über die ersten grundlegenden Studien schreibt,

»… die für mich einen bleibenden Wert behielten, und die ich als aufmerksamer Menschenbeobachter in der Zeit von meinem fünften bis siebtenLebensjahr, 1867-1869, gemacht habe« (aus: Menschenkenntnis durch Körper-, Lebens-, Seelen- und Gesichts-Ausdruckskunde auf neuen wissenschaftlichen Grundlagen; 1904 bis 1906).

Drei grundlegende Energietypen

Huter bringt ein System in die Gesichtsdiagnostik. Er unterscheidet zwischen drei Grundenergietypen (Huter nennt sie Naturelle), dem

  • Empfindungsnaturell
  • Bewegungsnaturell
  • Ruhe- und Ernährungsnaturell.

Dem Grundtypus Empfindungsnaturell zugeordnet werden Menschen mit einem kleinen, feinen Körperbau und einer „edlen“ Nasenform. Das Attribut edel ist hier kein Qualitätsmerkmal, sondern bezeichnet eine spezielle Linienführung der Nase. Während des sogenannten Dritten Reichs wurden solche Beschreibungen als Abgrenzungen genutzt; wer nicht in ein gewisses Raster fiel, galt nach den ideologisch gefärbten Rassetheorien der Nazis als fremd, als unarisch und in der Folge als (lebens-)unwert.

Zum Grundtypus Bewegungsnaturell werden Menschen gerechnet mit langem, muskulösem Körperbau, mit großen Händen, Nasen und/oder Ohren.

Wer einen eher gedrungenen Körper besitzt mit vollem Gesicht und Hals, gehört zur Kategorie Ruhe- und Ernährungsnaturell.

Mit dem äußeren Bild korrespondiert eine seelische Grundstimmung; deren psychischen Merkmale sind Mitgefühl beim Empfindungsnaturell, aggressives Selbstbewusstsein beim Bewegungsnaturell und Egozentriertheit beim Ruhe- und Ernährungsnaturell.

Auf diese erste Einteilung folgen dann die Verfeinerungen.

Gesichtsdiagnose – ein uraltes Konzept

Huters Lehre ist eine Art Synthese. Bereits aus der europäischen Antike sind Ansätze bekannt, einen Menschen zu charakterisieren allein auf Grund seines Äußeren, besonders aber seines Gesichts.

Auch in China gibt es die Kunst des „Gesichtslesens“; hier heißt sie Siang Mien. Die Siang-Mien-Meister aber gehen weiter in ihrer Wissenschaft. In Europa beschränkt sich die Antlitzdiagnose auf Einblicke in die Psyche und Gesundheit des Patienten – die chinesischen Kundigen treffen auch Aussagen über die Zukunft des Patienten. Hier wird die Nähe zur Astrologie deutlich, die Auskunft gibt über die (psychische) Anlage des Menschen, über seinen Zustand (auch in gesundheitlicher Hinsicht) und über sein weiteres Schicksal.

Doch so wie die Astrologie auf Zuckerwürfel zur Kirmesnummer verkommt, so wird auch die Physiognomik manchmal auf einfachste Zusammenhänge zusammengedampft. Dabei ist sie hohe Kunst. Und wie jede Kunst kann man auch die Gesichtsdiagnose auf ganz unterschiedlichem Niveau betreiben. Es gibt Triangelspieler, und es gibt Stargeiger. Es gibt die Blender, und es gibt die des Heilens wirklich Kundigen.

Es reicht nicht, mal eben die drei Naturelle nach Huter kennen zu lernen und zu hoffen, man besitze danach umfangreiche Menschenkenntnis. Schon gar nicht gelingt auf dieser Basis eine Diagnose, woran es dem betreffenden Menschen mangeln mag, was ihn quält, welche Krankheiten in seinem Körper sich auf den Weg machen.

Die Gesichtsdiagnose ist nur so gut wie der Therapeut und Anwender

Die Antlitzdiagnose ist die Lehre von Krankheitszeichen im Gesicht – Huters Konzept formuliert, was die Seele in den Körper „hineingeschrieben“ hat. Diese Schrift kann jeder lernen, man muss sie nur ernst nehmen:

»Mach’s nach – aber mach’s genau nach!«,

hat Samuel Hahnemann gefordert, der Begründer der Homöopathie (1755 bis 1843). Und bestimmt war mit diesem Satz nicht nur die Homöopathie gemeint.

Manche Therapeuten besitzen intuitives Geschick. Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler (1821 bis 1898), der Entdecker der Mineralstofftherapie, gilt als ungeheuer begabter Gesichtsdiagnostiker. In seinem Buch „Eine abgekürzte Therapie“ widmet er der Antlitzdiagnostik ein eigenes Kapitel. Welcher Mineralstoff im Körper des Patienten fehlte, bestimmte Schüßler allein mit Hilfe der Gesichtsdiagnose.

Auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) besitzt die Gesichtsdiagnostik einen hohen Stellenwert. Bestimmte Areale im Gesicht werden den einzelnen Organen zugeordnet. Ein paar Beispiele:

  • Der Farbton der Haut gibt Auskunft über den Anteil an Mineralstoffen im Körper.
  • Das Aussehen von Nase und Wangen wird herangezogen, um den Zustand des Herz/Kreislaufsystems und des Lungen-Komplexes zu beschreiben.
  • Die Nasenwurzel lässt Rückschlüsse auf das Nervensystem zu, die Nasenspitze ist Indikator für den Zustand des Herzens.
  • Die Nasenflügel sind Stellvertreter der Bronchien.

GESICHTSDIAGNOSE AUS SCHULMEDIZINISCHER SICHT

Kaum ein Arzt verzichtet darauf, seinen Patienten gründlich anzuschauen. Hautfarbe, Stimmlage, Augenglanz – hier präsentieren sich ihm erste Indizien auf den Allgemeinzustand des Ratsuchenden. Damit aber hat es sich auch in der Mehrheit der Fälle.

Mehr als einen allgemeinen Rückschluss wird der Schulmediziner kaum ziehen, es sei denn, er erkennt extreme Formen wie zum Beispiel eine gelbliche Hautfärbung, die Probleme mit der Leber nahelegt, oder eine sehr blasse bzw. hochrote Gesichtsfarbe als Folge eines niedrigen bzw. hohen Blutdrucks.

GESICHTSDIAGNOSE AUS ALTERNATIVMEDIZINISCHER SICHT

Ablauf der Gesichtsdiagnose beim Therapeuten
Nicht in jedem Fall ist das Ergebnis der Augendiagnostik identisch mit einer klinisch gestellten Diagnose. Die Ursache für eine Erkrankung kann ganz an einem anderen Ort im Körper stattfinden, als die Erkrankung sich in der klinischen Untersuchung zeigt. Deswegen verlassen sich Heilpraktiker wie Münch weder allein auf die Augendiagnose noch auf den klinischen Befund.

Münch geht einen anderen Weg. Zuerst führt er eine Gesichts- und Augendiagnose durch und ein, zwei andere Untersuchungen. Dann sagt er dem Patienten, was er sieht. Als nächstes erläutert Münch, was aus seiner Sicht die Ursache der Beschwerden ist und wie er sie behandeln würde. Erst danach kommen die klinischen Unterlagen ins Spiel, und der Patient teilt dem Heilpraktiker mit, warum er zu ihm gekommen ist: Der Therapeut geht unvoreingenommen auf seine Patienten zu.

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