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Kontrolliertes Trinken: Alkoholkonsum reduzieren per Online-Hilfe

Kontrolliertes Trinken: Alkoholkonsum reduzieren per Online-Hilfe
Ob man seinen Alkoholkonsum im Griff hat oder ob der Alkohol einen selbst in der Schraubzwinge umklammert hält, vor dieser Frage stehen nicht wenige Menschen. Unterstützung gibt es jetzt aus dem Internet: „Clever weniger trinken – ein Kurs für kontrolliertes Trinken“.
Wie jedes Rauschmittel so besitzt auch der Alkohol zwei Gesichter: Beim Glas Bier oder Wein vergisst man für einen Moment den Alltag, die Sorgen treten in den Hintergrund – mit Hilfe des Alkohols lässt es sich wunderbar entspannen, feiern und fröhlich sein!

Grenzwertnutzen: Kontrolliertes Trinken von Alkohol

Leicht und rasch aber kann die angenehme Wirkung des Alkohols kippen. Alkohol ist eine Droge – ab einer bestimmten Menge zeigen sich seine unangenehmen Aspekte: Das Mitgefühl sinkt, die Aggressivität nimmt zu; die Selbstbeherrschung löst sich auf, die Wahrnehmung verändert sich. Und am Tag danach erwacht man mit den Anzeichen eines Katers: Kopfschmerzen, Übelkeit.

Wer Alkohol trinkt, tut also gut daran, die schmale Grenze kennenzulernen, die zwischen den beiden Seiten des Alkoholkonsums verläuft; wer Alkohol trinkt, tut gut daran, sie nicht zu überschreiten. Grenzwertnutzen heißt das in der Sprache der Wirtschaftswissenschaftler: Ein Mehr an Einsatz führt nicht automatisch zu mehr Ertrag – mehr Alkohol schenkt nicht immer ein Mehr an Wohlgefühl.

Ob man selbst seine Grenzen kennt und (vielleicht wichtiger noch) akzeptiert, ist nicht immer leicht herauszufinden. Jetzt aber gibt es Unterstützung aus dem Internet, jetzt kann man sein Trinkverhalten einer Prüfung unterziehen.

Online-Training „Clever kontrolliert trinken“

Im Rahmen des EU-Großprojekts Innovations-Inkubator an der Leuphana Universität Lüneburg in Kooperation mit der Freien Universität Amsterdam und Minddistrict Germany beschäftigen sich Dr. Dirk Lehr und Dr. David Daniel Ebert mit der Entwicklung und wissenschaftlichen Untersuchung von Online-Programmen. Das Online-Training zum Umgang mit problematischem Alkoholkonsum ist nur eines aus einer ganzen Reihe von Kursen:

Depression

Gegen ein Gläschen Wein ist nichts einzuwenden … Kontrolliertes Trinken gelingt nicht unbedingt auf Anhieb

  • Angststörung
  • Stressmanagement
  • Schlafstörungen
  • Prokrastination (das Aufschieben von anstehenden Arbeiten und Aufgaben).

Der Online-Kurs „Clever weniger trinken“ wendet sich an Berufstätige über 18 Jahren mit problematischem Alkoholkonsum und dem Willen, ihr Trinkverhalten zu ändern sprich: ihren Alkoholkonsum zu reduzieren. Nicht geeignet, so die Projektleiter des Trainings, sind Alkoholabhängige; für sie „ist dieses Training nicht empfehlenswert“.

Der sechswöchige Kurs „Kontrolliertes Trinken“ versteht sich als Präventionstraining. Im Zentrum steht dabei die Beobachtung des eigenen Alkoholkonsums. Die Teilnehmer sollen herausfinden, in welchen Situationen und unter welchen Emotionen sie den Konsum steigern. Ein Alkoholtagebuch hilft bei der Dokumentation.

Gegen ein Gläschen Wein ist nichts einzuwenden … Kontrolliertes Trinken gelingt nicht unbedingt auf Anhieb

Fragen an die Teilnehmer des Kurses „Clever weniger trinken“

Die Selbsbeobachtung nimmt sich der Sache systematisch an. Mit Hilfe von gezielten Fragen versucht man, dem Problem auf den Grund zu kommen. Fragen wie etwa die folgenden:

  • Habe ich schon mal den Gedanken gehabt, dass ich zu viel Alkohol trinke?
  • Weiß ich, dass Alkohol enorm viele Kalorien enthält und somit sehr dazu beiträgt, übergewichtig zu werden?
  • Hat es in meinem Umfeld schon mal unangenehme Situationen gegeben wegen meines Alkoholkonsums?
  • Spüre ich irgendwelche Einschränkungen meiner Leistungsfähigkeit? Körperlich? Geistig?

Sie ahnen es bereits: Wenn einer dieser oder ähnlicher Aspekte auf Sie zutrifft und Sie bereits schon mal mit dem Gedanken gespielt haben, Ihren Alkoholkonsum zu reduzieren, dann könnte dieses Online-Training für Sie interessant sein.

Das Alkoholtagebuch online: kontrollieren für künftiges kontrolliertes Trinken

Die Teilnehmer erhalten Anregungen für ein neues Verhalten in kritischen Momenten, auf die sie bisher mit dem Griff zum Alkohol reagiert haben. Es gibt vielfältige Informationen, Wissensquizes und etliche Übungen.

Das Training, schreiben die Projektleiter auf der Homepage, ist so gestaltet, dass fast jeder Konsumtyp daraus einen Nutzen ziehen kann. Bevor man sich für die Teilnahme an der (kostenlosen) Studie entscheidet, kann man erst einmal nur einen Selbsttest absolvieren. Hier wird für ca. eine bis zwei Wochen der persönliche Alkoholkonsum im Online-Alkoholtagebuch dokumentiert. Diese Daten bilden dann die Grundlage für das persönliche Ziel: für den zukünftigen Umgang mit Alkohol, für das kontrollierte Trinken.

Links

Ablauf der Studie und Teilnahmeinformationen zum Download
Erste Hilfe bei Kater: homöopathisch, aber gut
Die Depression und ihre Anzeichen
Faltblatt „Die Sucht und ihre Stoffe“ (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V.)

Am 10. Juni 1935 soll es mit den Anonymen Alkoholikern (AA) losgegangen sein, ganz sicher ist das allerdings nicht. An diesem Tag trafen sich William Griffith Wilson (AA-intern: „Bill W.“), ein New Yorker Börsenmakler, und Robert Holbrook Smith („Dr. Bob“), ein Arzt, beide nach eigenen Angaben alkoholabhängig. Wilson versuchte Smith zur Alkoholabstinenz zu bewegen – der Startschuss für die segensreiche Bewegung. Ohne die AA, so sind sich heute viele Alkoholiker sicher, würden sie noch trinken oder wären längst, ja, verreckt.

Wie es in einer Sitzung bei den Anonymen Alkoholikern zugeht schildert der Bericht „Die fünf K der AA“.

Zum Schluss: Jürgen Heckel über sein Leben als Alkoholiker

Jürgen Heckel hat ein wunderbares Buch geschrieben, in dem er seinen Weg in die Sucht und wieder hinaus beschreibt: Sich das Leben nehmen: Alkoholismus aus der Sicht eines Alkoholikers

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