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Osteopathie: Heilung mit der Kraft der Hände

Osteopathie: Heilung mit der Kraft der Hände

Noch vor 20 Jahren galt ein Osteopath kaum mehr als ein hawaiianischer Wunderheiler. Das hat sich gründlich geändert: Viele Kassen bezahlen mittlerweile zumindest Teile der Kosten einer osteopathischen Behandlung.

Schmerzen können jedes Leben zur Hölle machen, sei dieses Leben ansonsten auch noch so freundlich zu einem.

Anselm Frantz* lebte in solch einem Leben: Job gut, Familie gut, Gesundheit gut. Alles gut. Bis der Passauer eines Morgens den rechten Arm nicht mehr in sein T-Shirt brachte: Die Schulter schmerzte höllisch und ließ keine Armbewegung nach oben zu.

Als die Schmerzen in den darauffolgenden Tagen und besonders in den Nächten schier unerträglich wurden, ging er zu Dr. Bohn, einem Orthopäden vor Ort.

Dr. Bohn war bestens gerüstet: moderne Praxis, zuvorkommendes Personal, gute Noten in den Bewertungsportalen des Internets. Aber er war eben auch nur das, was er gelernt hatte: ein Schulmediziner, der sich dem Anliegen von Anselm F. sehr klassisch näherte.

Der Übeltäter war rasch überführt. Ablagerungen hatten sich zwischen Sehne und Knochen der rechten Schulter gebildet, ein „Gries“, wie das der Orthopäde nannte, der auf drei Arten behandelt werden könnte. Dass die „Kalkschulter“ geheilt würde, davon sprach er nicht.

Kritische Therapievorschläge

Dr. Bohn nannte die drei Alternativen:

  • Stoßwellenbehandlung
  • Cortisonspritzen
  • Operation.

Der Arzt bevorzugte und empfahl die Stoßwellenbehandlung, eine manchmal unangenehme, weil schmerzhafte Therapie mit ungewissem Ausgang. Und außerdem nicht billig.

Die Kosten von ca. 250 Euro für die geplanten zehn Behandlungen würde die Kasse nicht übernehmen, sagte Dr. Bohn; im übrigen habe er einen Fachartikel über die Stoßwellentherapie bei Kalkschulter verfasst, und er drückte Anselm Frantzen eine Kopie in die Hand.

Eine unbefriedigende Situation

Keine der angebotenen Therapien gefiel Frantz. Sie waren teuer, sie waren riskant, sie waren nicht unproblematisch.

Eine Operation würde ihn auf Wochen hin von der Arbeit fernhalten – keine Situation, die der selbstständige Grafiker hinnehmen wollte. Frantz erkundigte sich nach Alternativen.

Was Dr. Bohn denn erst einmal von Sport halte, von Krankengymnastik oder von Osteopathie, wollte der Patient wissen. „Nichts“, sagte der Orthopäde. „Bringt nichts.“

Was tun?

Frantz war verunsichert. Gerade eben hatte ihm Dr. Bohn erklärt, wie die Kalkschulter entsteht: Das wisse man nicht so genau; leider.

Der Patient dachte nach. Man weiß nicht, sagte er sich, wie die Kalkschulter entsteht. Könnte es dann vielleicht möglich sein, dass sie auch einfach wieder verschwindet? Vielleicht würde ja eine Ernährungsumstellung Linderung verschaffen?

Was ihm durch den Kopf ging, ließ ihn schließlich Abstand nehmen von den teuren, riskanten und problematischen Vorschlägen des Facharztes – besonders aber, als er in dem Fachartikel seines Orthopäden las, dass die Stoßwellentherapie in nur ca. 30 bis 40 Prozent der Fälle hilfreich sei! Sein Orthopäde schlug demzufolge eine Behandlung vor, von der er selbst nur mäßig überzeugt war. Das konnte es nicht sein.

Verständnis suchen beim Hausarzt

Frantzen trug seine Sorgen seiner Hausärztin vor. Zu ihr hatte er Vertrauen, und die Ärztin wusste, dass ihr Patient jemand war, der gerne auf die Selbstheilung des Körpers vertraute.

Durch vernünftiges Verhalten hatte er schon etliche „Zipperlein“ hinter sich bringen können, ohne dass das Krankenkassenbudget belastet worden wäre. Das wohl war der entscheidende Punkt!

Die Hausärztin schrieb ein Rezept: sechs krankengymnastische Anwendungen. Und bald darauf stand Patient Anselm Frantz in der Praxis des Osteopathen und Physiotherapeuten Brandinger …

Beim Osteopathen: Erst einmal eine ausführliche Anamnese

„Dann erzählen Sie mal“, forderte der offensichtlich noch junge Therapeut ihn auf. Frantz berichtete, ergänzte die Nachfragen des Osteopathen, der sich ein umfassendes Bild von seiner Lebensgeschichte machte. Er erstellte eine Anamnese.

Warum stand Frantz heute vor ihm, was hatte ihn hierher geführt? Welche Beschwerden plagten ihn aktuell? War er früher einmal gestürzt? Hatte er Unfälle gehabt, Verletzungen, Operationen? Gab es in seiner Familie ähnliche Vorfälle? Oder chronische Erkrankungen? Schlief er gut?

Der Osteopath hörte aufmerksam zu. „Vielleicht“, sagte er abschließend, „erscheinen Ihnen diese Fragen überflüssig. Aber in der Osteopathie wissen wir eines:

Ein Symptom, zum Beispiel Ihr Schmerz, geht nicht zwingend auch von dem Ort aus, an dem Sie ihn spüren.“

Wichtig für den Osteopathen ist es, sich ein Lebensbild vom Patienten zu machen – die Diagnose des Arztes ist erst einmal nur ein Anhaltspunkt für die Behandlung. Sie muss nicht dazu führen, dass Schulterschmerzen auch an der Schulter therapiert werden.

Und genau das durfte dann wenige Minuten später auch Frantz erleben.

Sanfte Berührung in der Osteopathie das A und O

Der Osteopath betastete seinen Rücken von oben nach unten. Die Berührung war sanft. Mit seinen Händen ertastete der Osteopath die Situation im Körper des Patienten.

Der in Amerika ausgebildete Therapeut Dr. med. Siegbert Tempelhoff schreibt: Die Sinnesleistung der Hand des Osteopathen

»(ist) … eine Kunst für sich …: das intuitive Erfassen der Zusammenhänge von Körper, Geist und Seele ist die Grundlage der therapeutischen Betrachtung. (aus: Osteopathie. Seite 15)«

Den eigentlichen Schmerzherd ließ Osteopath Brandinger während der Behandlung im Wesentlichen links liegen. Er strich nur zweimal über den Punkt auf der Schulter, wo die Kalkablagerung saß, und prüfte die Temperatur an dieser Stelle. Anonsten berührte und bewegte er fast ausnahmslos den rechten Arm. Sanft, tastend, langsam. Kurz darauf war die erste Therapiestunde zu Ende.

Erfolg der Osteopathie: sofort beschwerdeärmer

Als Frantz sich von der Behandlungsliege erhob, war etwas anders als zuvor.

„Ich hatte das Gefühl, als hätte ich das Gehen neu gelernt“, sagt der bald 60-Jährige heute rückblickend. „Ich ging leichter als zuvor, aufrechter, und war auch innerlich irgendwie fröhlicher. Und so ganz nebenbei merkte ich auf einmal, dass die Schmerzen in der Schulter nachgelassen hatten: Ich konnte den Arm wieder heben.“

Frantz besuchte den Osteopathen Brandinger noch fünfmal. Jeder Termin in der Praxis bescherte ihm mehr Bewegungsfreiheit und nahm Schmerzen.

Brandinger hatte ihm leichte Übungen mit auf den Weg gegeben, die er jeden Morgen nach dem Duschen ausführte: die Rotation beider Schultergelenke und eine eigentümlich indisch anmutende Übung, bei der Frantz die Hände ineinander verschränken und über den Kopf strecken musste.

Fazit: Es war richtig!

Ein Jahr nach der Behandlung ist der Schmerz durch die Kalkschulter (noch?) nicht restlos aus seinem Körper gewichen.

„Das macht nichts“, sagt Frantz. „Der Schmerz ist absolut erträglich, er behindert mich nicht. Ich mache meine Übungen und bin dadurch insgesamt viel aufmerksamer meinem Körper gegenüber geworden.“

Frantz weiß: Die Behandlung durch den Osteopathen ist niemals ein Garant auf Heilung! Aber auch der Schulmediziner kann keine Garantien geben – so sehr wir Patienten uns das wünschen.

Der Patient Anselm Frantz hindes hat wertvolle Einsichten gewonnen durch seinen Entschluss, einen anderen Weg zu suchen für sein Anliegen.

  • Frantz hat viel Geld gespart
  • Er achtet stärker auf die Signale seines Körpers
  • Er fühlt sich „im Recht“, denn er hat sich und seinem Körper keine Tortur zugemutet: keine Operation, keinen Laserbeschuss, keine Chemie.

Hier hilft die Osteopathie besonders gut

In seinem Buch Osteopathie. Schmerzfrei durch sanfte Berührungen (GU Ratgeber Gesundheit) nennt Dr. Tempelhoff Krankheiten, die sich gut osteopathisch behandeln lassen. Einige davon betreffen Störungen, die vorwiegend bei Kindern auftreten:

  • Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitässtörung (ADS/ADHS)
  • asymmetrische Körperhaltungen
  • bestimmte Hautausschläge
  • bestimmte Hörstörungen
  • bestimmte Sehfehler
  • bestimmte Zahnfehlstellungen
  • Einnässen, Einkoten
  • Fehlendes Krabbeln
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Hüftdysplasie
  • Koliken
  • Konzentrationsstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Leistenhernie (Leistenbruch)
  • Lernschwierigkeiten
  • Lese-Rechtschreib-Schwäche (Teilleistungsstörungen)
  • Lungenprobleme (z. B. Bronchitis, Asthma)
  • Mandelentzündung
  • Mittelohrentzündung
  • motorische Ungeschicklichkeit
  • neurologische Erkrankungen (Zerebralparese, Morbus Down)
  • Schiefhals
  • Schlafstörungen
  • Schluckschwierigkeiten
  • Schreikinder
  • sensorische Integrationsstörungen
  • Sprachstörungen
  • Trinkprobleme
  • Unruhe, Nervosität
  • unrunde Kopfformen
  • Verdauungsprobleme
  • verspätetes Laufen
  • verstopfter Tränenkanal
  • Wirbelsäulenschmerzen
  • Wirbelsäulenverformungen (Skoliosen)
  • Zähneknirschen

Grenzen der Osteopathie

Alle akuten Geschehen (Entzündungen, Unfälle) gehören in die Hände und Obhut eines Schulmediziners. Schwere Krankheiten wie zum Beispiele Tumore ebenso. Auch psychische oder psychiatrische Belastungen benötigen (mindestens) die Co-Behandlung durch den Facharzt.

Ansonsten aber gibt es nahezu kein Krankheitsbild, das nicht von der osteopathischen Behandlung profitiert. Schon in Ihrem eigenen Interesse sollten Sie aber eine Diagnose mit Ihrem Hausarzt oder Facharzt erörtern und geeignete Therapien besprechen.

Fernsehbericht über Osteopathie

Im Interview bezeichnet Dr. Jens Anders die Osteopathie als „eine Art Krankengymnastik“. Ein Osteopath würde dieser Ansicht deutlich widersprechen.

* alle Namen der Beteiligten auf deren Wunsch von der Redaktion geändert

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