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Reiseapotheke für Kinder: Was tun bei Durchfall und Reisekrankheit?

Reiseapotheke für Kinder: Was tun bei Durchfall und Reisekrankheit?
Erwachsene nehmen es wie selbstverständlich hin, seekrank zu werden. „Ist halt so“, sagen sie achselzuckend, wenn unterm Schiff die Wellen rollen. Vor ähnlichen Problemen stehen (Klein-)Kinder schon bei jeder längeren Autofahrt. Gegenmittel, die in die Reiseapotheke fürs Kind gehören.
Wenn Paula und Moritz auf große Fahrt gehen, steht das Haus kopf: Papa plant die Route, Mutti den Kofferinhalt – jeder, wie er’s am besten kann. Und die beiden Kinder? Ein Buch für unterwegs ist rasch im Rucksack verstaut, das Lieblingskuscheltier wird sowieso nicht losgelassen, für viel mehr fühlen sich die Vier- und Sechsjährigen (mit Recht) nicht zuständig. Wenn doch nur diese Hektik nicht wäre … glatt speiben könnt’ man, denkt Paula und rennt zur Toilette.

Was gegen Durchfall und Reisekrankheit hilft

Die Vorfreude, die Aufregung, vielleicht auch die Ungewissheit, was sie am Urlaubsort erwartet, nimmt Kinderseelen mit. Und die Seele gibt die Gefühle weiter an den Körper. Der gerät in Aufruhr – und reagiert. Mit Bauchschmerzen, Durchfall oder Speiben, wie Paula auf gut Bayerisch das Erbrechen nennt.

Tipp: Wenn Sie es bereits erlebt haben, dass Ihr Kind ungewöhnlich aufgeregt ist vor einer größeren Reise, dann sollten Sie an die Möglichkeit denken, dass es Durchfall bekommen kann. Bleiben Sie gelassen: Ihr Kind erlebt dann sicherlich keinen Rückfall in Zeiten von Pampers & Co. Die Aufregung schlägt ihm vermutlich einfach auf den Magen.

Zeigen Sie Verständnis, und holen Sie ein paar Gegenmittelchen aus der Kinder-Reiseapotheke, die Sie (hoffentlich) mit Folgendem gegen Reisekrankheit und Durchfall ausgestattet haben:

Reisekrankheit

Gehen, Laufen, Springen sind andere Bewegungen als jene während einer Fahrt mit dem Auto oder auf einem Schiff. Schiffsreise und Autofahrt bringen den kindliche Gleichgewichtssinn rasch aus der Balance. Dann sehen die Augen anderes, als der Körper spürt und wahrnimmt – die Nachricht des Gleichgewichtsorgans im Ohr an das Gehirn lautet: Die Welt bewegt sich. Eine erhebliche Irritation für Ihr Kind!

Gewohnt ist Ihr Kind, dass es selbst sich bewegt, nicht die Erde. Mit diesem Unterschied kommt es nicht zurecht, und ihm wird schlecht. Schwindel, Übelkeit, Blässe, und Schwäche sind mögliche Folgen.

Von der Reisekrankheit verschont sind Säuglinge bis etwa zum sechsten Lebensmonat; ihr Gleichgewichtsorgan ist bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgereift. Bei Erwachsenen über 50 tritt das Gegenteil ein: Ihr Gleichgewichtsorgan ist mittlerweile robust genug (mit anderen Worten: unempfindlich) und reagiert nicht mehr so leicht mit panischen Attacken.

Erfahren Sie hier, wie die einzelnen Richtungen der Medizin gegen die Reisekrankheit vorgehen! So können Sie selbst entscheiden, welche der vorgeschlagenen Medikamente Sie in die Reiseapotheke für Ihr Kind packen.

  • Der Botenstoff Histamin erfüllt vielfältige Aufgaben. So regelt er auch die Magentätigkeit. Stress, Aufregung und Angst, wie sie vor und während einer Reise auftreten können, erhöhen den Histaminspiegel – der Körper reagiert entsprechend. Zu den gängigsten Mitteln der Schulmedizin gegen die Reisekrankheit zählen deshalb Antihistaminika.
  • Es gibt „Reisepflaster“, die das Mittel Scopolamin enthalten. Scopolamin ist eine starke Alkaloiddroge, sie wirkt dämpfend auf das vegetative Nervensystem. Das Pflaster wird auf eine Stelle mit dünner Haut geklebt, zum Beispiel hinter dem Ohr.
  • Cinnarizin ist ein Wirkstoff, der als durchblutungsfördernd propagiert wird; er soll die Durchblutung des Innenohrs (Gleichgewichtsorgan) fördern und so die Symptome der Reisekrankheit mildern. Etliche Fachleute halten dies für unseriös: Medikamente mit diesem Wirkstoff seien höchstens fallweise hilfreich (Quelle: Bittere Pillen; Nutzen und Risiken der Arzneimittel) – was im Grunde aber für die Reisekrankheit zutrifft.
  • Beim Metoclopramid handelt es sich um ein starkes Neuroleptikum, also ein Arzneimittel aus der Gruppe der Psychopharmaka. Medikamente mit diesem Wirkstoff beruhigen und nehmen die Angst. Enthalten ist es beispielsweise im Paspertin, das von Ärzten auch für Kinder verschrieben wird.
Bei all diesen Hinweisen beachten Sie bitte: Diese Empfehlungen sind nicht gedacht, den Rat und die Hilfe eines Arztes oder Apothekers zu ersetzen. Sie sind das, was sie sind: Tipps, die sich bewährt haben. Ob diese Medikamente in die Reiseapotheke für Ihr Kind gehören, klären Sie bitte mit einer Fachkraft. Handeln Sie stets verantwortungsbewusst, wenn Sie einmal nicht mehr weiterwissen. Auch wenn darunter der Urlaub leiden sollte: Die Gesundheit Ihres Kindes hat immer Vorrang! [/t] [t] Das wichtigste Mittel aus der Gruppe homöopathischer Medikamente ist Cocculus D6. Es kann bereits einige Stunden vor Reiseantritt genommen werden.

Wirksame Hilfe bei Übelkeit auf Reisen versprechen auch Medikamente mit dem Wirkstoff der Brechwurzel und der Brechnuss. Die homöopathische Arznei Nausyn® beispielsweise ist in ihrer Zusammensetzung speziell auf die Kombination von Übelkeit und Schwindel abgestimmt: Die Brechwurzel (Ipecacuanha) lindert die Beschwerden bei Brechreiz; Wermut (Absinthium) wirkt entspannend auf die Muskulatur von Magen und Darm, und die Brechnuss (nux vomica) wirkt ebenfalls krampflösend und nimmt den Brechreiz.

Petroleum D12 mindert den Schwindel, der bei der Fahrt im Auto oder auf dem Schiff entstehen kann. [/t] [t] Gegen die Reisekrankheit hilft sehr gut die Ohrakupunktur. Wer keinen speziell ausgebildeten Fachmann aufsuchen möchte, kann sich mit Dauernadeln oder aufgeklebten Metallkörpern behelfen. Sie führen zu einer beständigen Reizung markanter Punkte in der Ohrmuschel.

Speziell gegen Seekrankheit helfen Akupressurarmbänder. Man erhält sie in Seglergeschäften, aber natürlich gibt es die Akupressurarmbänder auch bei Amazon. [/t] [t] Viel zu selten findet der Ingwer in unserer europäischen Küche seine Verwendung; wir kommen mit der unverwechselbar und etwas scharf schmeckenden (Heil-)Pflanze meist nur bei asiatischem Essen in Berührung. Ingwer ist aber auch ein traditionelles Mittel gegen die Übelkeit.

Entweder ein Stück frische Ingwerwurzel kauen oder als Ingwertee zu sich nehmen. Die Apotheke hält aber auch hochdosierte und weitgehend geschmacksneutrale Ingwerpräparate für Sie bereit. Ob Ihr Kind das Mittel akzeptiert, müssten Sie rechtzeitig versuchen, herauszufinden.

Durchfall

Ein Kind mit Durchfall signalisiert, dass die normale Funktion des Darms gestört ist. Bei Durchfall verliert der Körper Wasser und Salze, die lebenswichtig sind und deren Mangel besonders bei Kleinkindern rasch zu Komplikationen führen kann. Durchfall wird immer dann zu einem Problem, wenn er

• häufig auftritt

• längere Zeit anhält oder

• Ihr Kind sofort über die Maßen strapaziert.

Immer dann ist Ihre Hilfe gefragt.

Besonders bei einem Urlaub in südlichen Ländern kann es zu Magen-Darm-Verstimmungen kommen, da unser Immunsystem hier auf unbekannte Keime trifft. Achten Sie auf eine ausreichende Lebensmittelhygiene, da die fremden Keime oft über das Essen in den Körper gelangen und dort eine Infektion auslösen können.

Was in die Kinder-Reiseapotheke gegen Durchfall gehört

Immens wichtig sind die vorbeugenden Maßnahmen gegen den „Reisedurchfall“: Lassen Sie Ihr Kind kein Leitungswasser trinken. Geben Sie keine Eiswürfel in Getränke, und bestellen Sie nur Getränke, die Sie erst am Tisch oder unterwegs öffnen können. Obst muss geschält werden, Salate sollten Sie meiden.

Gegen den Flüssigkeitsverlust helfen Elektrolyt- oder Salzlösungen; Ihr Apotheker berät Sie, welche in Ihre Reiseapotheke gehören (zum Beispiel Normolyt oder Oralpädon).

Wenn im Stuhl Ihres Kindes Bakterien nachgewiesen werden (Infektion), wird der Arzt ein Antibiotikum verschreiben.

Durchfall wird vom Arzt zumeist mit Präparaten behandelt, die Loperamid enthalten. Loperamid verzögert die Passage der Nahrung durch den Darm und wird in der Akutsituation verordnet. Aber Vorsicht! Bei Säuglingen und Kleinkindern darf Loperamid nicht verwendet werden!

Beachten Sie bitte: Medikamente gegen den Durchfall sollten Sie Ihrem Kind erst dann zumuten, wenn andere Maßnahmen keine Besserung gebracht haben, wie zum Beispiel der Ausgleich des Salz- und Elektrolytverlustes in Verbindung mit einer Schonkost. Besorgen Sie sich auf jeden Fall noch vor Antritt Ihrer Reise ein Päckchen Zwieback. [/t][t] Zur Behandlung von Durchfall haben sich folgende homöopathische Mittel bewährt:

  • Arsenicum album D12 bei Brechdurchfall
  • Ferrum phosphoricum D12 Durchfall mit Fieber
  • Okoubaka D2 ist bei sämtlichen Durchfällen hilfreich
  • Podophyllum D6 bei wässrigem Durchfall, der durch eine Infektion mit Lebensmitteln ausgelöst worden sein kann.

Bitte informieren Sie sich vor dem Kauf für die Reiseapotheke bei Ihrem Apotheker, wie und in welchen Potenzen die homöopathischen Mittel eingenommen werden. [/t][t] Kinder (und Schwangere) sollten Medikamente nicht ohne Not nehmen: Medikamente nur, wenn ein akuter Anlass vorliegt! Schießen Sie nicht mit „Kanonen auf Spatzen“, die gutgemeinte vorsorgliche Gabe von Medikamenten bringt unter Umständen Nebenwirkungen mit sich, die keiner will. Viel besser ist es da, auf die sogenannten „Hausmittel“ zurückzugreifen – immerhin mussten schon unsere Großeltern und deren Großeltern den Durchfall ihrer Kinder behandeln, auch wenn es damals keine Reiseapotheke für Kinder zu packen galt.

Frühere Generationen haben auf Kohletabletten vertraut. Angeblich soll Kohle Bakteriengifte binden – ganz ohne Nebenwirkungen, doch ob sie tatsächlich wirkt, dafür existieren keine seriösen Belege. Dasselbe gilt für die Substanzen Kaolin und Pektin (das im geriebenen Apfel besonders stark vorhanden ist).

Lesen Sie hier die Fortsetzung der Tipps „Reiseapotheke für Kinder“

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