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10 Fakten zum Stillen

10 Fakten zum Stillen

„Stillen“, so schreibt die Weltgesundheitsorganisation WHO, „ist einer der effektivsten Wege, die Gesundheit von Kindern zu sichern.“* Stimmt nicht ganz – es ist sogar der effektivste Weg, der gesündeste und der sicherste! 10 Tipps und Fakten der WHO rund ums Stillen von Babys und Kleinkindern.

Nur etwa jedes dritte Kind unter sechs Monaten wird ausschließlich gestillt! Das ist nicht gut, sagt die Weltgesundheitsorganisation WHO, das ist zu wenig! Und sie stützt es mit einer beeindruckenden Zahl:

800.000 Kinder könnten jedes Jahr überleben!

Die drei einzigen Bedingungen:

  • Jedes Kind muss innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt gestillt werden.
  • Jedes Kind soll während der ersten sechs Monate ausschließlich Muttermilch erhalten.
  • Jedes Kind muss bis zum Alter von zwei Jahren weiterhin gestillt werden.

Die Muttermilch ist das beste Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder – Stillen ist für sie die beste Ernährung.

In zehn Punkten hat die WHO ihre Erfahrung rund ums Thema Stillen und Muttermilch zusammengefasst. Einige der Tipps haben eher Frauen aus wirtschaftlich schwächeren Regionen im Auge; trotzdem sind die Tipps zum Stillen allgemeingültig.

10 Tipps rund ums Stillen

Tipp 1:
Flatrate fürs Baby – Muttermilch, wann immer es will

Für die ersten sechs Monate empfiehlt die WHO: ausschließlich Stillen! Es gibt nichts Besseres als Muttermilch. Zudem ist Stillen einfach im Sinne von „unaufwendig“.

Ab dem sechsten Lebensmonat kann der Säugling, das Baby, festere Nahrung zu sich nehmen. Geeignet sind püriertes Gemüse und Obst. Diese Breis ergänzen das Stillen bis zum Alter von zwei Jahren.

Darüber hinaus empfiehlt die WHO

  • Stillen Sie Ihr Kind schon innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt!
  • Stillen Sie Ihr Kind so oft es danach „verlangt“! Weder werden Sie Ihr Kind dadurch verwöhnen noch überfüttern! „Ein Kind wird durch Stillen niemals überfüttert“, sagt Bettine Morys, Hebamme aus Würzburg.
  • Vermeiden Sie die Flasche – vermeiden Sie den Schnuller!

Tipp 2:
Stillen und Muttermilch: nur Vorteile für Babys Gesundheit!

  • Muttermilch ist die ideale Nahrung für Neugeborene und Säuglinge! Sie enthält sämtliche Nährstoffe für eine gesunde Entwicklung.
  • Muttermilch enthält Antikörper, die Ihr Kind schützen: Stillen bzw. Muttermilch schützt Ihr Baby vor Kinderkrankheiten wie Durchfall und Lungenentzündung – den beiden Hauptursachen von Kindersterblichkeit weltweit.
  • Muttermilch muss nicht gekauft werden – sie steht praktisch immer zur Verfügung!
  • Muttermilch ist preiswert!

Tipp 3:
Auch Mütter profitieren vom Stillen

Wer stillt, verhütet! Stillen ist eine natürliche Methode der Geburtenkontrolle – wenn auch keine hundertprozentig fehlerfreie.

Die WHO sagt: Stillen ist mit einem 98-prozentigen Schutz während der ersten sechs Monate nach der Geburt verbunden.

Stillen mindert das Risiko von Brustkrebs und Tumoren an den Eierstöcken; Stillen hilft Frauen, ihr Gewicht zu reduzieren; Stillen senkt die Gefahr von Fettleibigkeit.

Stillen – ideale Basis fürs ganze Leben!

Tipp 4:
Stillen: auch auf lange Sicht vorteilhaft für Kinder

Muttermilch ist eine „Gesundheitsdroge“! Kinder, die gestillt wurden, profitieren in ihrem späteren Leben von einer höheren Robustheit.

Über die unmittelbaren Vorteile für Kinder hinaus, fördert Stillen ein Leben in guter Gesundheit. Jugendliche und Erwachsene, die als Babys gestillt wurden, werden weniger wahrscheinlich übergewichtig oder fettleibig.

Gestillte Kinder erkranken weniger wahrscheinlich an Typ-2-Diabetes, und sie zeigen eine bessere Leistung in Intelligenztests.

Tipp 5:
Warum lieber Muttermilch – warum keine Säuglingsnahrung?

Die Antikörper der Muttermilch finden sich in keiner Säuglingsnahrung dieser Welt!

Wenn Säuglingsnahrung nicht richtig vorbereitet wird, entstehen Risiken: Keime im Wasser oder nicht genügend gereinigte (sterilisierte?) Geräte sind eine Gefahrenquelle für die Gesundheit der Säuglinge und Kleinkinder.

Wenn Pulvernahrung nicht korrekt zubereitet wird, wenn es beispielsweise „gestreckt“, also im falschen Mischungsverhältnis zubereitet wird, kann das zu Mangelerscheinungen führen. Nicht immer ist eine problemlose Rückkehr zu Stillen und Muttermilch möglich!

Mütter, die stillen, signalisieren ihrem Körper: „Produziere Muttermilch!“ Wird nun die Muttermilch nicht mehr oder immer seltener „verlangt“, weil „zugefüttert“ oder gar abgestillt wird, dann stellt der Körper nach und nach die Milchproduktion ein.

Trotz einer hohen Lebensmittelsicherheit in Deutschland liest man auch hierzulande immer wieder von Rückrufaktionen und/oder Fehler in der Produktion von Säuglingsnahrung.

Rückruf-Aktion von HIPP
Die Originalmeldung von HIPP als pdf

Rückruf-Aktion von Milupa
Die Originalmeldung von Milupa als pdf

Rückruf-Aktion von Alnatura
Die Rückrufaktion von Alnatura im Original als pdf

Tipp 6:
Stillen und HIV

Eine HIV-infizierte Mutter kann ihre Krankheit (die Infektion mit HIV) an ihr Kind weitergeben: während der Schwangerschaft, während der Entbindung und durch das Stillen.

Das Übertragungsrisiko lässt sich senken: Die hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART, englisch: highly active antiretroviral therapy) ist eine Kombinationstherapie mit mindestens drei Medikamenten; diese Therapie hilft sowohl der Mutter wie auch ihrem Fötus und später dem Säugling und Kleinkind, wenn sie gestillt werden.

Ganz offensichtlich verbessert die Kombination aus Stillen und antiretroviralen Medikamenten die Chancen für die Kinder, eine Infektion mit HIV zu überleben.

Die WHO empfiehlt: Wenn sie antiretrovirale Medikamente erhalten, sollten HIV-infizierte Mütter ihr Baby auf jeden Fall stillen und darüber hinaus den WHO-Leitlinien für Säuglingsernährung folgen.

Hilfe, wenn das Stillen Schwierigkeiten macht

Tipp 7:
Keine Unterstützung für den Ersatz von Muttermilch

1981 wurde ein international gültiger Codex verabschiedet, um die Vermarktung von Muttermilchersatz zu regeln. Hierin ist festgelegt:

  • Die Vorteile des Stillens und die Gesundheitsrisiken von Muttermilchersatz sollen in den Vordergrund gestellt werden.
  • Produktion und Vermarktung von Muttermilchersatz sollen weder beworben noch gefördert werden.
  • Schwangere Frauen, Mütter oder ihre Familien sollen keine kostenlosen Proben von Muttermilchersatz erhalten.
  • Auch an Angestellte des Gesundheitswesen bzw. an Institutionen sollen keine Proben von Muttermilchersatz verteilt werden.

Tipp 8
Unterstützung für Mütter ist wichtig

Es ist kein Zeichen von „Versagen“ oder gar Schande, wenn das Stillen anfangs nicht so klappt, wie Mutter und Kind sich das wünschen. Im Gegenteil! Dass es nicht so klappt wie erhofft, ist absolut nicht ungewöhnlich – Stillen muss gelernt werden.

Wenn Stillen nicht auf Anhieb gelingt, geraten Mutter und Kind leicht in eine frustrierende Situation: Die Sorge stellt sich ein, ob das Kind genügend Milch erhält, und oft geht das ungenügende Stillen mit Schmerzen einher, genauer: mit Schmerzen an den Brustwarzen.

Diese extrem unangenehmen Schmerzen lassen sich oft nur vermeiden, wenn die Mutter aufs Stillen verzichtet. Dann aber gerät sie erneut in Sorge, ob ihr Kind weiterhin genügend Energie erhält. Ein typischer Teufelskreislauf!

Bitte informieren Sie sich in solchen Fällen bei Ihrer Hebamme: Sie und die ausgebildeten Stillberater der Gesundheitseinrichtungen unterstützen Mütter bei allen Fragen oder Problemen rund ums Stillen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO und das Kinderhilfswerk UNICEF haben 1991 das internationale Programm „Babyfriendly Hospital Initiative“ ins Leben gerufen. Ihr Ziel: In Geburtskliniken sollen die Eltern-Kind-Bindung und das Stillen gefördert werden. Weltweit gibt es mittlerweile rund 20.000 babyfreundlicher Krankenhäuser.

In Deutschland heißt diese Initiative: „Babyfreundlich“ – Bindung.Entwicklung.Stillen – B.E.St.®-Kriterien; in Österreich „Baby-friendly Hospital“ und in der Schweiz „Baby Freundliches Spital“.

Tipp 9
Arbeit und Stillen

Wenn Mütter wieder zurück in ihren Beruf gehen, stellt sich die Frage: Stillen oder abstillen? Die Hürden, die sich ihnen in den Weg stellen oder gestellt werden, sind enorm: Sie fürchten, nicht genügend Zeit zu haben oder keinen Ort, an dem sie ihr Kind stillen können. Ein möglicher Ausweg, zu dem sie wechseln: Sie pumpen ihre Milch ab, um sie ihrem Säugling zu einem anderen Zeitpunkt zu geben.

Das allerdings wäre nicht notwendig. Im Gesetz zum Schutz der erwerbstätigen Mutter (Mutterschutzgesetz – MuSchG) heißt es in § 7, der die Stillzeit regelt

(1) Stillenden Müttern ist auf ihr Verlangen die zum Stillen erforderliche Zeit, mindestens aber zweimal täglich eine halbe Stunde oder einmal täglich eine Stunde freizugeben.

Tipp 10
Der nächste Schritt: Der Übergang zu fester Nahrung

Der Energiebedarf von Babys ist enorm. Mit sechs Monaten etwa sollte feste Nahrung als Ergänzung zum Stillen hinzukommen – fest, aber püriert.

Der Beginn der „neuen“ Ernährungsgewohnheit bedeutet einen neuen Schritt in Hinsicht auf das Sozialleben der Familie: Meist ist dies der Moment, ab dem der Säugling am Tisch Platz nimmt.

Die WHO empfiehlt

  • Mütter sollten nicht deshalb weniger stillen, nur weil ihr Baby jetzt feste (pürierte) Nahrung erhält. Es gilt weiterhin die „Flatrate“ (siehe Tipp 1)!
  • Lebensmittel sollten mit einem Löffel gegeben oder aus einer Tasse getrunken werden – nicht aus einer Flasche;
  • eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Lebensmittel sollten sauber sein, sicher und in ausreichender Menge vorhanden;
  • Kinder lernen – an jedem Tag, in jedem Moment ihres jungen Lebens. Lernen aber ist gleichbedeutend mit Zeitverbrauch: Schenken und gönnen Sie Ihrem Kind diese Zeit. Ihr Kind erlebt alles zum ersten Mal; da ist es nicht ganz einfach zu lernen, wie es den Brei vom Teller in den Mund bekommen kann …

 

Kleinkind und das Breiessen

 

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