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Zahl der Woche: 1.500 Jahre

Zahl der Woche: 1.500 Jahre

John Langdon Haydon Langdon-Down war Apotheker, Arzt und Kind seiner Zeit: political correctness kannte er nicht, denn sonst, so darf vermutet werden, hätte er die von ihm beschriebene Krankheit nicht Mongoloide Idiotie genannt.

Langdon-Down kam 1828 im Städtchen Torpoint zur Welt (in Cornwall, dort wo die britische Insel sich bemüht, so zu tun, als läge sie im Mittelmeer).

Vierzig Jahre später und 350 Kilometer weiter östlich, in Redhill, südlich von London, leitet Langdon-Down das erste englische Heim für Menschen mit geistiger Behinderung, das Royal Earlswood Hospital. Dort hat er die Krankheit beschrieben, die heute seinen Namen trägt: das Down Syndrom.

Das Down Syndrom

Menschen, die an dem Down Syndrom litten, so erkannte Langdon-Down, sind unverwechselbar: Sie besitzen ein rundes Gesicht und mandelförmige Augen, womit sie eine gewisse Ähnlichkeit mit den Mongolen haben; als Idiot galten in der Medizin jener Tage alle Menschen mit schweren geistigen Defekten.

Heute hört man Mongolismus nur noch selten; und auch der Begriff Down Syndrom ist auf dem Rückzug. Statt dessen spricht man von der Trisomie 21. Damit deutet man bereits mit der Bezeichnung der Krankheit eine Anomalie an: Das 21. Chromosom liegt im Erbgut ganz oder in Teilen dreifach vor.

Es hat lange gedauert, bis die Trisomie 21 zum ersten Mal in der Literatur als eigene Krankheitsform Eingang fand. Lag der Grund vielleicht darin, dass sie bis dato noch nicht aufgetreten war?

Das wohl weniger. Doch bis in die jüngste Zeit wurde immer angenommen, dass Kinder mit Down Syndrom eine nur geringe Lebenserwartung besaßen oder gar unmittelbar nach der Geburt getötet wurden.

Ein Schicksal, von dem jenes Kind verschont geblieben ist, dessen Skelett jetzt bei Ausgrabungen in Ostfrankreich entdeckt wurde.

Menschen mit Down Syndrom: im Mittelalter nicht diskriminiert?

Die Knochen seines Skeletts in dem Grab aus dem 5. bis 6. Jahrhundert (und somit ca. 1.500 Jahre alt) weisen Kennzeichen des Down Syndroms auf.*

Maïté Rivollat von der Universität Bordeaux und ihre Mitarbeiter haben das Skelett in einer Nekropole nahe des Klosters Saint-Jean-des-Vignes in Chalon-sur-Saône gefunden (siehe Kartenausschnitt unten). Wie es den damaligen Gepflogenheiten entsprach, ist das Kind auf dem Rücken liegend und mit dem Kopf nach Westen beigesetzt. Die Wissenschaftler glauben daraus ableiten zu können, dass das erkrankte Kind in der Gesellschaft akzeptiert war.

Genetisches Material konnten die Forscher zwar nicht untersuchen, verschiedene Merkmale am Schädel deuten jedoch auf ein Down-Syndrom hin:

  • ein kurzer breiter Schädel (Brachyzephalie)
  • ein Offenbleiben der Stirnnaht am Stirnbein (Metopismus)
  • eine Zahnunterzahl (Hypodontie)
  • eine Parodontose
  • einen flachen Hinterkopf
  • eine dünne Schädelkalotte und
  • Veränderungen der Schädelbasis.

Keines der Zeichen sei charakteristisch für die Krankheit Down Syndrom (pathognomonisch), meint Rivollat, doch in der Gesamtschau ergebe sich klar das Erscheinungsbild eines Morbus Down.

*Bericht des International Journal of Paleopathology (2014; doi: 10.1016/j.ijpp.2014.05.004

Link:
Abstract der Untersuchung

Lage des Ausgrabungsortes

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